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Insekten als Lebensmittel: Zulassung, Nährwerte, Akzeptanz

Mehlwurm, Grille und Heuschrecke: welche Insekten in der EU erlaubt sind, was sie liefern und worauf Allergiker achten müssen.

Kennzahlen auf einen Blick

  • 4zugelassene InsektenartenMehlwurm, Buffalowurm, Wanderheuschrecke, Hausgrille
  • 2021erste EU-Zulassunggetrocknete Larven des Mehlkäfers
  • etwa 50 %Eiweiß in der Trockenmasseje nach Art und Verarbeitung
  • PflichtAllergiehinweisKreuzreaktion mit Krebstieren und Milben möglich

In weiten Teilen der Welt gehören Insekten seit jeher auf den Speiseplan. In Europa sind sie dagegen ein neues Lebensmittel, rechtlich wie kulturell. Seit 2021 erlaubt die EU nach und nach Produkte aus einzelnen Insektenarten. Diese Seite erklärt, welche das sind, was sie ernährungsphysiologisch bieten, wie sie gekennzeichnet werden und warum der Nachhaltigkeitsvorteil kein Selbstläufer ist.

Welche Insekten in der EU zugelassen sind

Weil Insekten vor dem Stichtag 15. Mai 1997 in der EU kaum gegessen wurden, gelten sie als neuartige Lebensmittel. Jede Art und jede Darreichungsform braucht eine eigene Zulassung nach der Novel-Food-Verordnung. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit prüft dafür unter anderem Zusammensetzung, mikrobiologische Sicherheit, mögliche Schadstoffe und Allergene.

Art Deutscher Name Erste Zulassung Formen (Auswahl)
Tenebrio molitor, Larve Mehlwurm (Larve des Mehlkäfers) 2021 getrocknet, gefroren, Paste, Pulver
Locusta migratoria Europäische Wanderheuschrecke 2021 gefroren, getrocknet, Pulver
Acheta domesticus Hausgrille, Heimchen 2022 gefroren, getrocknet, Pulver, teilweise entfettetes Pulver
Alphitobius diaperinus, Larve Buffalowurm (Larve des Getreideschimmelkäfers) 2023 gefroren, Paste, getrocknet, Pulver

Zulassungen nach der Novel-Food-Verordnung gelten für die beschriebene Form und Verwendung. Einige sind für einen bestimmten Antragsteller für fünf Jahre geschützt, weil die Daten aus dessen Dossier stammen. Weitere Anträge zu Insekten liegen bei der EFSA, der Stand ändert sich also. Die verbindliche Liste ist die Unionsliste der zugelassenen neuartigen Lebensmittel.

Nährwerte: viel Eiweiß, aber kein Wundermittel

Getrocknete Insekten bestehen je nach Art, Entwicklungsstadium, Futter und Verarbeitung etwa zur Hälfte aus Eiweiß, dazu kommen Fett, Mineralstoffe wie Eisen und Zink sowie Chitin aus dem Außenskelett. Das Protein enthält alle unentbehrlichen Aminosäuren. Frische Larven haben wegen ihres Wassergehalts deutlich niedrigere Werte je 100 Gramm, ähnlich wie frisches Fleisch im Vergleich zu Trockenfleisch.

Für die Ernährungspraxis heißt das: Ein paar Gramm Insektenpulver in einem Brot oder Riegel verändern die Nährstoffbilanz eines Tages kaum. Interessant werden Insekten dort, wo sie größere Mengen anderer Proteinquellen ersetzen.

Kennzeichnung und Allergien

Insekten müssen im Zutatenverzeichnis mit ihrer genauen Bezeichnung stehen. Die Zulassungen schreiben außerdem Hinweise auf ein mögliches Allergierisiko vor. Der Grund: Insekten sind mit Krebstieren verwandt, und Eiweiße wie Tropomyosin kommen in beiden Gruppen vor. Wer auf Garnelen, Krebse, Weichtiere oder Hausstaubmilben allergisch reagiert, kann deshalb auch auf Insekten reagieren. Zusätzlich können Allergene aus dem Futter, etwa Gluten aus Getreidekleie, im Endprodukt landen.

Die allgemeinen Regeln zur Allergenkennzeichnung und zur Lebensmittelhygiene beschreibt die Seite Lebensmittelsicherheit.

Wie nachhaltig sind Insekten?

Insekten sind wechselwarm. Sie müssen keine Energie aufwenden, um ihre Körpertemperatur zu halten, und setzen Futter deshalb vergleichsweise effizient in Körpermasse um. Sie brauchen wenig Fläche und lassen sich in Regalsystemen übereinander züchten. Ökobilanzen zeigen meist deutlich geringere Treibhausgasemissionen als bei Rindfleisch.

Der Vorteil schrumpft aber, wenn Insekten mit Futter aufgezogen werden, das auch Menschen oder Nutztiere essen könnten, oder wenn die Zuchtanlagen viel Energie für Heizung und Lüftung brauchen. Am größten ist der Nutzen, wenn Insekten Reststoffe der Lebensmittelverarbeitung verwerten, etwa Kleie oder Gemüsereste, die als Futter zugelassen sind. Mehr zu dieser Idee der Kreislaufwirtschaft steht unter Upcycling und Reststoffe. Die Datenlage ist insgesamt noch dünner als bei Fleisch oder Hülsenfrüchten.

Akzeptanz: der Ekel ist die größte Hürde

Umfragen in Deutschland und anderen europäischen Ländern zeigen regelmäßig, dass nur eine Minderheit bereit ist, Insekten zu essen, vor allem wenn sie als ganze Tiere erkennbar sind. Pulver in vertrauten Produkten wie Nudeln, Brot, Proteinriegeln oder Burgern senkt die Schwelle. Jüngere Menschen und Menschen, die bereits Insekten probiert haben, sind offener.

Auch in der Grenzregion zwischen Deutschland und den Niederlanden wurde daran gearbeitet: Das frühere Kooperationsprojekt FOOD2020 hat nach Angaben seiner archivierten Website ein Innovationsprojekt zu einem Burger mit Insektenprotein aus regionaler Produktion begleitet. Eine Einordnung des Projekts steht im Projektarchiv.

Wie Insekten zu Lebensmitteln werden

Für den Verzehr gezüchtete Insekten wachsen in geschlossenen Anlagen unter kontrollierten Bedingungen. Vor der Verarbeitung werden sie meist gesiebt und gereinigt, viele Hersteller lassen die Tiere vorher einige Zeit ohne Futter, damit der Darm leer ist. Anschließend werden sie in der Regel durch Kälte oder Hitze getötet, blanchiert oder gekocht und dann getrocknet, gemahlen oder weiterverarbeitet. Die Zulassungen legen Anforderungen an Zusammensetzung, mikrobiologische Kriterien und Verarbeitungsschritte fest.

Was Verbraucher wissen sollten

  • Kaufen Sie Insektenprodukte nur mit vollständiger deutscher Kennzeichnung und Zutatenliste.
  • Bei bekannter Allergie gegen Krebstiere, Weichtiere oder Hausstaubmilben im Zweifel ärztlich abklären, bevor Sie Insekten probieren.
  • Insektenpulver ersetzt kein vollwertiges Essen; es ist eine weitere Eiweißquelle neben Hülsenfrüchten, Milchprodukten, Ei und Fleisch.
  • Einen Überblick über alle neuen Eiweißquellen und ihren Rechtsstand gibt die Seite Alternative Proteine.
Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Werden Insekten heimlich in Lebensmittel gemischt?
Nein. Insekten sind eine Zutat wie jede andere und müssen im Zutatenverzeichnis mit ihrer Bezeichnung genannt werden, etwa als teilweise entfettetes Pulver der Hausgrille. Wer keine Insekten essen möchte, erkennt sie also auf dem Etikett.
Darf ich selbst gesammelte oder gezüchtete Insekten essen?
Für den privaten Verzehr gibt es kein Verbot, die Novel-Food-Regeln betreffen das Inverkehrbringen. Selbst gesammelte Wildinsekten können aber Parasiten, Pestizidrückstände oder Giftstoffe enthalten. Insekten aus dem Zoohandel sind als Futtermittel gezüchtet, nicht als Lebensmittel.
Schmecken Insekten nach etwas?
Getrocknete und geröstete Mehlwürmer und Grillen werden häufig als nussig beschrieben. Als Pulver in Backwaren, Nudeln oder Riegeln schmeckt man sie kaum heraus. Der Geschmack hängt stark von Futter, Röstung und Würzung ab.

Redaktion food2020.eu · zuletzt überarbeitet am 27. Oktober 2026.